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Übergewichtige Kinder

Vererbung oder kann man seinen Kindern ganz einfach helfen? Manche Experten halten Pommes und Cola für die Schuldigen, andere ziehen über Computer und Fernseher her. Fest steht nur: Die Kinder in Deutschland werden immer dicker. Von einer «Epidemie» sprach Verbraucherschutzministerin Renate Künast. "Wie der Vater, so der Sohn": Übergewicht ist oft ein familiäres Problem.


Übergewichtige Kinder –
Vererbung oder kann man seinen Kindern ganz einfach helfen?


Manche Experten halten Pommes und Cola für die Schuldigen, andere ziehen über Computer und Fernseher her. Fest steht nur: Die Kinder in Deutschland werden immer dicker. Von einer «Epidemie» sprach Verbraucherschutzministerin Renate Künast.

"Wie der Vater, so der Sohn": Übergewicht ist oft ein familiäres Problem.

Jedes fünfte Kind und jeder dritte Jugendliche gelten mittlerweile als übergewichtig. Doch Pfunde sind kein Schicksal - meist beeinflusst die Erziehung das Gewicht. mehr…

Dabei hilft es wenig, einzelne Lebensmittel oder Süßigkeiten zu verbieten. «Es kommt immer auf die Gesamternährung an», sagt Mathilde Kersting vom Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund. Für eine optimale Kost nennt sie eine Faustregel: «Pflanzliche Lebensmittel und Getränke reichlich, tierische Lebensmittel mäßig, fett- und zuckerreiche Lebensmittel sparsam.»

Das völlige Verbot etwa von Pommes oder Süßigkeiten macht diese für Kinder nur attraktiver, warnt auch Malaika Fuchs von der Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter (AGA). Besser sei es, den Konsum zu kontrollieren: «Es gibt ab und zu Süßigkeiten - aber es wird mittags regelmäßig gekocht und Salat oder Obst angeboten.» Auch ein gelegentlicher Besuch im Fastfood-Imbiss sei nicht schädlich, wenn er die Ausnahme bleibt.

Doch die Wirklichkeit sieht oft anders aus, wie es in einem Dossier des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv) in Berlin heißt. Verzehre ein Zehnjähriger beim Besuch im Fastfood-Restaurant einen Hamburger (54 Gramm (g) Fett), eine Portion Pommes (10 g Fett) mit Soße (10 g Fett) und einen Schokodonut (14 g Fett), habe er mit 88 g bereits die empfohlene Tagesdosis eines Erwachsenen von 70 g Fett deutlich überschritten. Hinzu kommen noch die süße Cola und die fetthaltige Fertigpizza am Abend. Für viele Kinder berufstätiger Eltern sei ein solches Essverhalten mittlerweile die Regel.

Begründet wird eine falsche Ernährung schon sehr früh. «Es gibt Hinweise, dass Stillen das Adipositas-Risiko verringern kann», sagt Kersting. Gestillte Kinder können selbst bestimmen, wie viel sie trinken, die Mutter kann das kaum nachprüfen. Flaschenkinder dagegen würden oft so lange gestillt, bis die Flasche leer ist - und das ist oft zu viel. Hinzu kommt, dass Eltern die Fläschchenkost häufig zu reichlich dosieren: «Viele halten sich nicht an die Angaben und nehmen lieber einen Löffel mehr», hat Fuchs beobachtet.

Die falsche Erziehung setzt sich später fort: «Kinder im Kindergartenalter wirken oft zu dünn auf Erwachsene», sagt Fuchs. Dann werde das Kind manchmal regelrecht «abgefüttert» und könne kein Gefühl für die richtige Portionsgröße entwickeln. Ein Fehler sei es auch, den Kleinen zu viel auf den Teller zu laden: Lieber sollte man die Kinder einen Nachschlag fordern lassen, rät Kersting.

Im Alter von fünf bis sechs Jahren erlebten die meisten Kinder einen Wachstumsschub, sie nehmen dabei auch zu. Hier sollten die Eltern aufmerksam beobachten, wie sich ihr Kind entwickle, um notfalls gegensteuern zu können, so Fuchs. Später wiederhole sich etwas ähnliches in der Pubertät - auch dann sollten Eltern besonders auf die Ernährung achten: Psychische Probleme wie etwa Schwierigkeiten beim Schulwechsel würden dann oft in sich «hineingefressen».

Ob Kinder übergewichtig sind, hängt aber nicht nur von der falschen Ernährung und der genetischen Veranlagung ab. Mangelnde Bewegung spiele «fast die größere Rolle», so die Ernährungswissenschaftlerin. Auch hier zähle vor allem das elterliche Verhalten: «Wenn der Vater sich nach Feierabend mit der Chipstüte vor den Fernseher setzt, ist das kein gutes Vorbild.» Kinder sollten früh zur Bewegung im Alltag angehalten werden, Treppen steigen statt Fahrstuhl fahren und Rad fahren statt im Auto zu sitzen.

Am besten sei es, regelmäßigen Sport im Verein zu treiben. So werde auch der kritische Übergang von der Kindheit zur Pubertät am besten überbrückt, «wenn es uncool geworden ist, draußen herumzutoben», so Fuchs.

Informationen:

Die Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter hat im Internet Informationen für die Eltern übergewichtiger Kinder veröffentlicht (http://www.a-g-a.de).

Das Forschungsinstitut für Kinderernährung Dortmund bietet Ernährungstipps unter http://www.fke-do.de.

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