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Knapp zehn Millionen Deutsche haben Diabetes
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Auszug - Interview DJournal (Ausgabe II - 2010) - Heiko Harms mit Prof. Dr. Stephan Martin, Ärztlicher Direktor des Westdeutschen Diabetes- und Gesundheitszentrums, Sana Kliniken Düsseldorf:Welche Möglichkeiten sehen Sie künftig in der Diabetesbehandlung und -prävention? Aktuell
denken viele Menschen bei Krankheit an Medikamenteneinnahme. Gerade in
den letzten Jahren hat doch diese übertriebene Medikamentengläubigkeit
gerade beim Typ 2 Diabetes einige Kratzer bekommen. Auch wenn eine
Vielzahl neuer Diabetesmedikamente in klinischer Prüfung sind, so geht
an der Lebensstil-Änderung und Eigeninitiative der Betroffenen kein Weg
vorbei. Dies müssen auch die Krankenkassen und die Gesundheitspolitik
erkennen, da das Gesundheitssystem bald nicht mehr in der Lage ist, die
nötigen Mittel für Medikamente aufzubringen.
Ist es richtig, dass die Zahl der Diabetiker steigt?Ja,
in Deutschland geht man heute von sieben bis acht Millionen bekannten
Diabetesfällen aus, hinzukommen 2 bis 3 Mio. unentdeckter Fälle. Somit
kommen wir auf rund 10 Mio. Menschen mit Diabetes. Allein in der
Altersgruppe der 55- bis 74-Jährigen kommen jährlich ca. 250.000 neue Fälle hinzu. Auch bei den Jüngeren ist Diabetes keine Seltenheit mehr. Wir haben eine
Epidemie, die das Gesundheitssystem in den nächsten Jahren sprengen
wird. Der überwiegende Teil der Diabetesfälle wird dem Typ-2-Diabetes
zugerechnet, der durch Übergewicht und Bewegungsarmut entsteht.
Was ist zu tun?Prinzipiell brauchen wir einen anderen Begriff von Gesundheit. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Gesundheit als „Zustand des vollkommenen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens“. Dabei ist der Begriff „sozial“ häufig diskutiert und kritisiert worden. Wenn wir Typ-2-Diabetes sowie Bluthochdruck und Blutfette betrachten, welche die wesentlichen Risikofaktoren für Herzinfarkt und Schlaganfall sind, so führt die Definition in die Irre. Kommt ein Patient zu mir, so ist er für sich selbst im Zustand des vollkommenen körperlichen Wohlbefindens, denn diese Erkrankungen merkt man nicht, es tut nicht „weh“. Krankheit fängt vor den Symptomen an, Gesundheit hat sehr viel mit nachhaltiger Lebensqualität zu tun, was oft vergessen wird.
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